Lebensfreude schenken

Smarte Trainingsgeräte und tierische Therapeut*innen sind Teil des abwechslungsreichen Aktivierungsprogramms im Alterszentrum Alenia. Ein Besuch bei Brigitte Kocher, die sich mit viel Herzblut und Kreativität für eine sinnstiftende Alltagsgestaltung einsetzt.

Brigitte Kocher, Leiterin Aktivierung von 10 Fachpersonen und mit Unterstützung von 33 freiwilligen Mitarbeitenden.

«De gömer doch grad abe i üse nöi Fitnessruum», schlägt Brigitte Kocher vor. Mit beschwingten Schritten geht es ins Untergeschoss des Alenia- Hauptsitzes an der Worbstrasse 296, wo sich gerade eine Gruppe älterer Menschen im Tagestreff zum

Zvieri eingefunden hat. Brigitte Kocher leitet das rund 10-köpfige Team der Aktivierung, das sich aus Fachpersonen und 33 freiwilligen Mitarbeitenden zusammensetzt. «Mir war es schon immer wichtig, Menschen Gutes zu tun und dazu beizutragen, dass sie sich wohlfühlen», stellt sie gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Nach Jahren im Gastgewerbe und als Erwachsenenbildnerin entschied sie sich 1991

für den Wechsel in eine damals noch junge Fachdisziplin, die heute die pflegerische und therapeutische Betreuung als wichtigen Bestandteil ergänzt: Die Aktivierung. Im Alterszentrum Alenia erarbeitet sie wechselnde Programme und Aktivitäten, die

die geistigen, sozialen und körperlichen Fähigkeiten älterer Menschen erhalten und fördern. Damit leistet die Aktivierung einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität

der Bewohnenden und den Gästen des Tagestreffs.

«Jeder Mensch hat unabhängig seines Alters Ressourcen. Unsere Aufgabe ist es, diese zu erkennen und zum Vorschein zu bringen.

Brigitte Kocher, Leiterin Aktivierung im Alterszentrum Alenia

«Aktivierung ist eine Profession und Haltung. Wir Therapeut*innen richten den Fokus vor allem auf die noch vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten der Bewohnerinnen. Dabei schliessen wir die Einschränkungen nicht aus. Unsere Angebote richten sich nach den Bedürfnissen der Bewohnenden und Gäste. Uns ist es wichtig, Ausdrucksmöglickeiten, Erfahrungen des Gelingens zu schaffen und damit die Handlungskompetenzen der Menschen zu stärken und zu verbessern.» Oft sei die Biografie der Schlüssel zum Erfolg. Brigitte Kocher sucht das Gespräch, erkundigt sich bei den Angehörigen über biografische Stationen und Interessen. Bei Bewohnenden tauscht sie sich zudem mit der Pflege über besondere Bedürfnisse oder individuelle Therapieziele aus. Der Beruf erfordere viel zwischenmenschliches Gespür für den Einzelnen und eine gute Fachkompetenz. Wobei man auch den möglichen gemeinsamen Nenner in den Gruppen finden müsse. Vor allem aber seien kreative Ansätze und Ideen gefragt. Das mache den Beruf so vielfältig und spannend: «Zum Beispiel war ich vorhin in unserem «Café français», wo sich die Teilnehmenden auf Französisch unterhalten.», erzählt sie. Während die einen, wie früher üblich, in ihrer Jugend einen Sprachaufenthalt in der welschen Schweiz absolviert haben, geniessen es andere wiederum, sich in ihrer Muttersprache auszutauschen. «Solche Gedächtnisleistungen regen wir auch beim Vervollständigen von Wörtern und Rätselspielen an. Wir achten immer darauf, dass die Aufgaben den Menschen gelingen und Spass machen», sagt sie.

Mit Hightech Stürze vermeiden

Herr Reinlein trainiert hochkonzentriert am Velotrainer.

Gehirnjogging und körperliche Ertüchtigung verbinden sich auch im Fitnessraum an der Worbstrasse 296. Das Alenia setzt auf modernste Hightech-Trainingsgeräte, die in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich spezifisch für die Bedürfnisse älterer Menschen entwickelt worden sind, erklärt Brigitte Kocher. Dies geschehe durch den sogenannten kognitiv-motorischen Ansatz, der die Denkleistung des Gehirns anregt und in eine Bewegung übersetzt. Der Dividat Senso besteht aus sensorischen Platten, die von einem Stützgeländer umgeben sind. Auf einem Monitor werden wechselnde Schrittfolgen vorgegeben, die von den Trainierenden ausgeführt werden. Zahlreiche Studien belegen, dass durch solche Übungen Stürze vermieden und Fehlbelastungen vorgebeugt werden können.

«Uns ist es wichtig, Ausdrucksmöglichkeiten, Erfahrungen des Gelingens zu schaffen und damit die Handlungskompetenzen der Menschen zu stärken und zu verbessern.»

Brigitte Kocher, Leiterin Aktivierung im Alterszentrum Alenia

Wie das praktisch funktioniert, zeigt uns der sportbegeisterte Herr Reinlein, der zielstrebig auf einen gut gepolsterten Velotrainer zusteuert und Platz nimmt: «Wo söus härega? Nach Europa, Afrika oder doch lieber nach Asie?», fragt ihn Brigitte Kocher,
während sie die Sitzposition richtig einstellt und auf den grossen Flachbildschirm an der Wand verweist, auf dem Fahrradrouten auf allen Kontinenten zur Auswahl stehen. «Letztes Mal bin ich an der Loire in Frankreich entlanggeradelt », überlegt
der 90-jährige Deutsche, bevor er sich für eine Erkundungstour durch die «Stadt der Engel», Los Angeles, entscheidet. «Eine schöne Stadt, die ich besucht habe», freut er sich. Mit einem Klick erscheint mit dem «Walk of Fame» auf dem Bildschirm die
berühmte Promenade, wo die Filmgrössen Hollywoods mit goldenen Sternen verewigt sind. Herr Reinlein ist hochkonzentriert bei der Sache. Er lenkt den Zweiräder durch die Strassen und tritt dabei so kräftig in die Pedale des Trainingsgeräts, dass Brigitte Kocher seinen Eifer nach einigen Minuten bremsen muss. Ganz Profi führt der rüstige Senior noch ein paar muskellockernde Dehnungsübungen aus, bevor ihn die Aktivierungsfachfrau in den Gemeinschaftsraum für eine wohlverdiente Erfrischung zurückbegleitet.

Tierisches Vergnügen

Für heitere Momente sorgen auch die Zwergziegen Max, Moritz und Mira, die im August im Alterszentrum Alenia eingezogen sind. Ihr Gehege grenzt an die Terrasse des Tagestreffs und ist begehbar. «Am liebsten führen sie unseren Gruppen übermütige Sprünge vor und machen auch sonst den Kasper», weiss Brigitte Kocher schmunzelnd. Kein Wunder, haben die drei Zicklein die Herzen der älteren Menschen wie auch der Mitarbeitenden im Sturm erobert. «Wir halten kleine Tüten mit Popcorn bereit. Diese können die Besucher des Ziegengeheges an die Geisslein verfüttern.»