Ich war schon immer ein Blumenmädchen und bin es bis heute.

Bekannt als «ds Leni» im Café Gfeller am Bärenplatz, erfüllte ich viele Jahre mit Hingabe die Wünsche meiner Gäste. Das hat mich glücklich gemacht.

Steckbrief

Name: Helene Nyffeler
Alter: 91 Jahre
Aufgewachsen in: Buchholz
Beruf: Serviceangestellte
Im Alterszentrum Alenia seit: 2006

Guten Tag, wie geht es Ihnen heute?
Danke, es geht mir sehr gut.

Warum sind Sie gerade im Alterszentrum Alenia?
Bereits im Frühling 2015 besuchte ich regelmässig den Tagestreff. So lernte ich das Haus und die Institution kennen. Nach einem Unfall in meiner Wohnung und einem vorübergehenden Aufenthalt im Domicil Egelmoos wollte ich nicht mehr alleine zu Hause leben. Ziemlich kurzfristig bekam ich ein Zimmer im Alterszentrum Alenia angeboten. Da meine Schwester in Grosshöchstetten wohnt, nahm ich diese Gelegenheit gerne wahr. Ich fühle mich hier geborgen, bin zufrieden und dankbar, dass ich rund um die Uhr Betreuung erhalte.

Was vermissen Sie im Alenia?
Ich vermisse nichts. Auch wenn ich länger nachdenke, fällt mir nichts ein. Das Essen ist gut, die Pflegenden sind nett und fürsorglich, und ich fühle mich einfach wohl.

Noch immer neugierig auf Abenteuer im Alltag: Helene Nyffeler; Blumenliebhaberin und Rikscha-Fan. 

Was gefällt Ihnen hier besonders und was weniger?
Mir gefiel es von Anfang an. Die Pflege ist sehr gut. Ich war selber überrascht, da ich von einem Alters- und Pflegeheim ein ganz anderes Bild im Kopf hatte. Nicht so schön, wie ich es nun in der Realität erlebe. 67 Jahre hatte ich in der gleichen Wohnung gelebt. Die Auflösung des Haushalts gab einiges zu tun. Loszulassen fiel mir aber nicht schwer. Ich habe mich sehr gut eingelebt und hier ein neues Zuhause gefunden.

Was würden Sie in Ihrem Leben anders machen, was täten Sie nie mehr?
Ich arbeitete viele Jahre im Service im Café Gfeller am Bärenplatz und hatte einen grossen Kundenstamm. Das Wohl der Gäste lag mir immer sehr am Herzen. Meine Stammkunden mussten ihre Wünsche gar nicht erst äussern; ich wusste auch so, was ich für sie tun konnte. Das sprach sich herum, und so gab es viele Kunden, die ausschliesslich von mir bedient werden wollten. Ich erlebte viel Schönes und war glücklich bei der Arbeit. Mit den Jahren litt ich leider immer mehr unter starken Rückenschmerzen. Diese wurden so schlimm, dass ich die Arbeit im Service aufgeben musste. Das war nicht einfach für mich; ich fand keine andere Arbeit, und die Menschen und das Stadtflair fehlten mir zunehmend. 

Eine mir nahestehende Cousine riet mir, mich mit einem Café selbstständig zu machen. Diese Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf. So holte ich 1971 die Wirteprüfung nach und übernahm das Tearoom Eclaire an der Marktgasse in Bern. Ich stellte einen Koch und Serviceangestellte ein. Nun konnte ich mir meine Arbeit so einteilen, dass meine Gesundheit nicht mehr darunter litt. Auf die Blumendekoration im Eclaire legte ich sehr viel Wert, und bald waren wir als das «blühende Café» bekannt. Ein Teil meiner Kundschaft vom Gfeller hielt mir die Treue und kehrte nun im Eclaire ein. Rund sieben Jahre, bis zur Pensionierung meines Mannes, führte ich das Tearoom erfolgreich.

Welche Lebenswünsche sind in Erfüllung gegangen, welche nicht?
Zu meiner Konfirmation schickte mir mein Götti eine Karte und 20 Franken. Er war Koch in einem Hotel in Kanada. Er schrieb mir, dass es für mich im Hotel eine Stelle geben würde. Ich hätte Zeit, die Sprache zu lernen, und könnte danach im Service arbeiten. Meine Mutter bestärkte mich, diese einmalige Chance zu nutzen. Aber ich konnte nicht. Schon der Gedanke, meine Familie zu verlassen, machte mich tieftraurig. Ich war mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof im Freiburgischen aufgewachsen. Wir wohnten abgelegen, und auch durch die gemeinsame Arbeit auf dem Hof hatten wir einen engen Zusammenhalt. 

Wegzugehen, und dann noch ins Ausland, kam für mich überhaupt nicht in Frage. So ging ich statt nach Kanada in ein Haushaltlehrjahr nach Grosshöchstetten. Von Herzen gerne hätte ich danach eine Kochlehre absolviert. Ich liebte es, für meine Familie zu kochen. Von der Feldarbeit ging ich gerne früher nach Hause, um das Essen für alle vorzubereiten. Meine Eltern hatten die nötigen finanziellen Mittel aber nicht und rieten mir dazu, als Servicekraft zu arbeiten. In dieser Branche konnte man rasch Geld verdienen.

Was ist Ihre liebste kulturelle Beschäftigung?
Anfang Jahr wurde das Literaturcafé durchgeführt. Herr Mattmüller trug ein Gedicht vor, das in mir Erinnerungen an meine Schulzeit weckte. Dieser Abend war auch deswegen wunderschön. Ich besuche aber auch gerne musikalische Anlässe. Momentan bin ich immer noch absolut begeistert von meiner Jungfernfahrt in der hauseigenen Rikscha.

Womit kann man Ihnen Freude bereiten?
Mit Blumen. Ich war schon immer ein Blumenmädchen und bin es bis heute geblieben.

Was möchten Sie unbedingt noch erleben?
Ich habe keine Wünsche offen und bin zufrieden mit meinem Leben.

Können Sie uns noch eine Anekdote aus Ihrem Leben erzählen?
Eines Nachmittags begrüsste ich im Café Gfeller eine Frauengruppe, die mit dem Car unterwegs war und bei uns einkehrte. Kaum hatten die Damen das Café betreten, wurde laut durcheinandergeredet, und eine der Frauen sprach mich in einem mir fremden Dialekt an. Das einzige Wort, das ich verstand, war «Eieröhrli». Fragend schaute ich sie an. Wir boten ein grosses Sortiment an Gebäck an; aber «Eieröhrli»? Ich hatte keine Ahnung, was sie wollte. Sie lachte und zeigte auf unsere frisch zubereiteten Fasnachtschüechli. Komischer Name, dachte ich mir und hatte wieder etwas dazugelernt.

Monika Di Girolamo

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