Blackout im Alenia

Blackout! In einem grossen Test wurde überprüft, ob die Notstromversorgung im Alterszentrum Alenia wunschgemäss verläuft.

Was, wenn der Strom ausfällt? Im Alters­zentrum Alenia wurde in einem gross angelegten Test ein Blackout simuliert.

«Der Aufwand für einen solchen Test war beträchtlich», sagt Stephan Roth, Gruppenleiter technischer Dienst im Alenia. «Doch nach der Erstellung des Neubaus an der Worbstrasse 296 war es zwingend, zu untersuchen, ob die geplante Notstromversorgung auch wirklich funktioniert.»

Unter der Leitung des Elektroplaners und externer Fachleute wurde also das Alenia vom Netz genommen und kontrolliert, ob die Notstromversorgung des Energieverbundes Siloah (EVS) den Energieausfall überbrücken kann. Beim EVS sind neben dem Alterszentrum Alenia mit den drei Gebäuden an der Worbstrasse und an der Nussbaumallee auch die Klinik Siloah und die Pflegehäuser der Siloah angeschlossen. Allen Gebäuden wird im Notfall ein gewisser Teil des Notstroms zugewiesen, um die wichtigsten Systeme mit Energie zu versorgen. «Der Blackouttest musste zur Mittagszeit gemacht werden, wenn möglichst viel Energie benötigt wird. Nur so war ersichtlich, was mit dem zur Verfügung stehenden Strom möglich ist», erklärt Stephan Roth weiter.

Ziel des Tests war es in erster Linie, zu kontrollieren, ob die richtigen Anlagen und Geräte weiterhin mit Energie versorgt werden und ob nicht zu viel Notstrom verbraucht wird. Dabei wurde festgestellt, dass bei Spitzen der Stromverbrauch etwas zu hoch war. Einer der älteren Lifte machte etwa Probleme, und einige der grossen Küchengeräte, die nicht unbedingt notwendig sind, wurden ebenfalls vom System abgetrennt. Dafür wird die Kühlkette noch um Tiefkühlschränke erweitert, die vorher nicht mit Notstrom versorgt wurden.

Der Notstrom wird auch bei einem lokalen Stromausfall über eine andere Leitung weiterhin von der BKW bezogen. Bei einem grösseren regionalen oder überregionalen Stromausfall kommt ein Dieselaggregat zum Einsatz, das die Versorgung ein paar Tage aufrechthalten kann.

Sibylle Hablützel, Leiterin Facility Services, und Stephan Roth, Gruppenleiter technischer Dienst, vor der Stromverteilung im Untergeschoss des Gebäudes an der Nussbaumallee 2.

Was läuft noch – und was nicht?

Im Notstrombetrieb sind die Zimmer und Wohnungen im Alterszentrum ohne Strom, auch die privaten Kühlschränke. Das Licht funktioniert in den Eingangsbereichen noch ein paar Stunden, dann ist es dunkel, was ein gewisses Gefahrenpotenzial birgt. Auch Heizung und Lüftung laufen bei einem Stromausfall nicht mehr – die Häuser sind allerdings gut isoliert, sodass die Räume nicht sofort auskühlen.

Weiterhin in Betrieb sind alle sicherheitsrelevanten Anlagen, zum Beispiel die Brandmeldeanlage, die Schwesternrufanlage, die interne Telefonie oder die technische Alarmierung. Ebenso die Lifte, die Notbeleuchtung auf den Korridoren und den Fluchtwegen in den Untergeschossen.

In der Küche bleiben die wichtigsten Geräte in Betrieb, damit die Grundversorgung gewährleistet ist und weiterhin auch warme Mahlzeiten zubereitet werden können. Ebenso werden die Kühlschränke und Tiefkühltruhen weiter mit Energie versorgt, damit Lebensmittel nicht verderben.


«Die Erkenntnisse sind also durchaus positiv – auch wenn das Ereignis natürlich per se negativ ist.»  

Stepahn Roth, Gruppenleiter technischer Dienst im Alenia

Menschen stehen im Zentrum

Die Verantwortlichen des Alenia prüften beim gross angelegten Test gleichzeitig die internen Abläufe, die in einem Notfallkonzept erarbeitet worden waren, auf ihre Tauglichkeit in der Praxis. Weder die Bewohnerinnen und Bewohner noch die Mitarbeitenden waren über den Blackouttest informiert. Es sollte möglichst nahe an der Realität getestet werden; ein Stromausfall im Alltag würde schliesslich auch ohne Vorwarnung passieren. «Nur die Geschäftsleitung war informiert und in die Vorbereitungen involviert», erzählt Sibylle Hablützel, Leiterin Facility Services. «Die Reaktionen der Mitarbeiterinden sowie der Bewohnenden waren sehr gut. Das hat uns gefreut.»

Der Informationsfluss innerhalb des Alterszentrums klappte sehr gut, innert nützlicher Frist waren auch alle Bewohnerinnen und Bewohner informiert. «Viele Mitarbeitende aus der Verwaltung konnten ihren PC zwar nicht mehr nutzen, arbeiteten aber am Laptop weiter, das Netzwerk und das WLAN laufen weiter», erklärt Sibylle Hablützel. Oder sie engagierten sich in anderen Bereichen, zum Beispiel der Verteilung von Informationen an die Bewohnenden. «Die Mitarbeitenden, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner im Alterszentrum merkten schnell, dass nicht mehr alles in gewohnter Manier möglich war. So rückten alle ein bisschen zusammen, assen gemeinsam und hielten sich in den Gemeinschaftsräumen auf. Nicht zuletzt auch wegen der Schlagzeilen über eine mögliche Strommangellage in den vergangenen Monaten war man sich zumindest für einen Moment wieder bewusst, dass nicht alles selbstverständlich ist», so Hablützel.

Darum können die Verantwortlichen des Alenia nach dem Test ein positives Fazit ziehen. Stephan Roth: «Grundsätzlich funktioniert das Notstromkonzept so, wie es geplant war. Einige kleine Anpassungen werden nötig sein, um die Versorgung sicherzustellen und zu optimieren.» Die Erkenntnisse sind also durchaus positiv – auch wenn das Ereignis natürlich per se negativ ist.

Übrigens: Wenige Wochen nach dem Blackouttest verursachte ein Unfall auf der Worbstrasse, bei dem ein grosser Lkw einen Versorgungskasten der BKW abräumte, tatsächlich einen Stromausfall im Alterszentrum Alenia. Die Crew war vorbereitet – Test sei Dank.


Peter Pflugshaupt

Das sind die wichtigsten Schutzziele bei einem Blackout

Licht

In den privaten Wohnungen ist der Strom nur über eine sehr begrenzte Zeit verfügbar. Dann funktioniert nur noch die Notbeleuchtung in den Korridoren und auf den Fluchtwegen und gegebenenfalls in gemeinsam genutzten Räumen.

Kontakt zu medizinischer Versorgung

Das interne Telefon sowie das lokale Computernetzwerk funktionieren weiter. Spital und Ambulanz sind grundsätzlich weiterhin erreichbar. Das Handynetz funktioniert bei einem grösseren Stromausfall allerdings auch nur über eine begrenzte Zeit über Notstromaggregate.

Wärme

Heizung und Lüftung fallen in den privaten Wohnungen und Zimmern ebenfalls aus. Die Gebäude sind aber sehr gut isoliert und kühlen nicht sofort aus. 

Verpflegung

Die Verpflegung wird sichergestellt. In der Küche funktionieren die wichtigsten Geräte, sodass auch warme Mahlzeiten zubereitet werden können. Die Kühlkette wird aufrechterhalten – verderbliche Lebensmittel sind geschützt.

Lebensnotwendige Therapien

Sauerstoffabgabe und der Bezug von wichtigen Medikamenten bleiben gewährleistet. Auch hier sind die Medikamente, die gekühlt werden müssen, weiterhin sicher gelagert.

Personal aufbieten

Die interne Telefonanlage bleibt in Betrieb. Informationen und Aufgebote von Personal können über diesen Kanal weiterhin erfolgen. 

Sicherheit der Bewohnenden

Die Fluchtwege bleiben beleuchtet. Es soll aber verhindert werden, dass Panik aufkommt und Bewohnende weglaufen. Ein Hauptaugenmerk wird auf die Information und die Beruhigung der Bewohnenden gelegt – ebenfalls wird sichergestellt, dass die Menschen beschäftigt werden und genügend schlafen können.

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